Präparieren mit der Sandstrahltechnik

Seit fast 30 Jahren übe ich nun meinen Beruf als geologisch-paläontologischer Präparator aus. Dabei suche ich ständig nach neuen Wegen, um Fossilien relativ schnell und schonend aus dem Gestein freizulegen. Schon Ende der 70er Jahre begann ich mich mit der Sandstrahltechnik zu befassen.
Die ersten Versuche machte ich 1978 mit einer Farbspritzpistole, danach kam ein Abrajet-Gerät aus den USA zum Einsatz.

Das Ganze befriedigte mich aber nicht und ließ mir keine Ruhe. Auf eine diesbezügliche Anfrage bei der Präparatorenvereinigung erhielt ich zur Antwort: "Die Sache funktioniert nicht, aber Sie können es ja einfach mal ausprobieren". Jetzt machte ich die Weiterentwicklung der Sandstrahltechnik sozusagen zu meiner Passion. Wer Erfahrung auf diesem Gebiet hat wird mir bestätigen, dass diese Technik, hat man einmal mit ihr angefangen, einen nicht mehr loslässt.

Probierphase

Die Anfänge waren natürlich mit sehr vielen Experimenten verbunden, dabei hat sich gezeigt, dass das verwendete Strahlmittel eine besondere Rolle spielt. Es darf die Fossilien nicht zu sehr angreifen und sollte, ebenfalls ein wesentlicher Aspekt, auch nicht zu teuer sein.

Ich probierte alle möglichen körnigen Stäube aus, daneben Glaspulver in Form eines Gemischs aus Glasperlen und Glasbruch im Verhältnis 1:1. Ich bearbeitete damit die erste Seeliliengruppe und einige Seelilienkronen. Noch heute setze ich dieses Strahlmittel zum Reinigen von Pyritammoniten aus dem Lias epsilon ein. Verschiedene Kollegen benutzen den Glasbruch auch zusammen mit anderen Zusätzen, z. B. Dolomitmehl. Der Experimentierfreudigkeit sind hier kaum Grenzen gesetzt.

Strahlmittel
Nach weiterem Ausprobieren und Testen konnte ich feststellen, dass Dolomitpulver von 200 my bis 10 my, außerdem Eisenpulver von 120 my bis 80 my die schonendsten und effektivsten Strahlmittel sind. Als etwas weichere Strahlpulver können Walnussschalenmehl, Asche oder Hartkunststoffgranulat in verschied-enen Korngrößen verwendet werden. Wenn härtere Krusten auf den Fossilien liegen, kann auch Siliziumkarbid und Aluminiumoxid verwendet werden. Als Regel gilt, dass das Strahlmittel etwas härter sein sollte als das Umgebungsgestein. Ebenso sollte das Fossil härter sein als das einbettende Gestein. Besonders gut zu strahlen sind mergelige und tonige Sedimente sowie Ölschiefer.

Zum Sandstrahlen braucht man einen mehr oder weniger starken Luftstrom als Träger des Strahlmittels, das durch die Strahldüse den Strahlgriffel verlässt und beim Auftreffen auf das einbettende Gestein dieses erodiert. Man sollte sich aber immer darüber im Klaren sein: Je härter das Strahlmittel und je höher der Strahldruck, desto behutsamer muss vorgegangen werden. Beim Einsatz von Strahlmitteln, die weicher sind als das zu präparierende Fossil, entstehen Poliereffekte und schonendere Abträge.

Hilfsmittel

Als hilfreich beim Strahlen erweisen sich Vergrößerungsgeräte (Vergrößerungsglas, noch besser Stereobinokular) und außerdem eine Absauganlage. Letzte erlaubt, das verwendete Strahlmittel zu sammeln, zu sieben, und anschließend wiederzuverwenden.

Sandstrahlen ist also, wenn es behutsam und sorgfältig eingesetzt wird, eine der besten Präparationsmöglichkeiten für Fossilien. Es ist auf jeden Fall schonender als der Einsatz von Kaliumhydroxid zum Ablösen der bituminösen Schiefer- bzw. Mergelgesteine. Bituminöse Mergelgesteine quellen durch wässrige Lösungsmittel so sehr, dass Großfossilien bei der Montage an den Bruchkanten nicht mehr übereinstimmen und extreme Verbiegungen aufweisen. Dieser Effekt tritt beim Strahlen der Fossilien nicht auf.

Die Sandstrahlpräparation ist trotz allem noch nicht ganz ausgereift. Es sind hier noch Verfeinerungen der Technik von Anwenderseite zu erwarten.

Sandstrahlgeräte sind im Fachhandel ab ca. 350,-- EUR zu bekommen, nach oben ist die Preisgrenze offen. Hier gilt es sorgfältig abzuwägen. Manche Geräte können z. B. nur mit bestimmten Strahlmitteln betrieben werden. Zum Beispiel kann bei Vibrationsgeräten, die das Strahlmittel durch magnetisches Schütteln in den Strahlschlauch befördern, kein Eisenpulver verwendet werden. Bei Saugleistungsgeräten hingegen, bei denen Unterdruck durch einen Luftstrom erzeugt wird, ist Eisenpulver sehr gut einsetzbar.

Mit der Sandstrahltechnik habe ich mit bestem Ergebnis schon viele Fossilien aus den verschiedensten Schichten freigestrahlt, u.a. Seesterne aus dem Bundenbacher Schiefer, Seelilien aus Holzmaden bzw. Dotternhausen (Ölschiefer), Seeigel aus dem Weißjura, Fische aus dem Messeler Schiefer, Saurierknochen aus dem Weißjura zeta, Fossilien aus dem Trias-Ölschiefer von Monte San Giorgio, Schädel von frühen Ichthyosauriern.

Geräte
Aus meiner langjährigen Arbeit mit der Strahltechnik heraus und um auch Hobbysammlern diese Methode näherzubringen und zu ermöglichen, habe ich nun zwei kleine handliche Feinsandstrahlgeräte zu einem erschwinglichen Preis entwickelt, die mit den verschiedensten Strahlmitteln betrieben werden können und die ich selbst mit bestem Erfolg in Gebrauch habe. Es handelt sich hierbei um die Geräte FSG_1 und FSG_2. Näheres hierzu entnehmen Sie bitten den Info-Seiten.

Um noch eine Alternative anbieten zu können, habe ich zusätzlich das Gerät FSG_3 ins Programm genommen, das ich von einem Großhändler beziehe. Dieses Gerät wird im Gegensatz zu meinen Geräten mit einem Fußschalter bedient. Näheres kann ebenfalls den Info-Seiten entnommen werden.

Im Moment bin ich dabei, ein weiteres Gerät (FSG_4) zu entwickeln, mit dem mit bis zu 16 bar Druck gearbeitet werden kann. Das Gerät ist tragbar und hauptsächlich für Restaurationsarbeiten (Kirchen und dgl.) konzipiert.

Voraussetzung für den Betrieb eines der Feinsandstrahlgeräte ist natürlich ein Kompressor und nach Möglichkeit eine Absauganlage bzw. ein Absaugkasten.

Vielleicht habe ich jetzt die Lust am Ausprobieren und Experimentieren bei Ihnen geweckt. Ich würde mich sehr über Erfahrungsberichte, Anregungen und Vorschläge von Ihnen freuen.

Viel Spaß beim Strahlen !
Fritz Lörcher